PITT

„Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie“ (PITT) nach prof. Dr. med. Luise Reddemann ist ein ressourcen- und resilienzorientierter Ansatz, der Imaginationen als heilsame Kraft nutzt. Die Klientin lernt mit sich selbst mitfühlend und tröstend umzugehen. Dieses Mitgefühl geht einher mit Achtsamkeit, Freundlichkeit und Freude und führt zu Stärkung und Stabilität, sodass die Klientin bewusst in der Gegenwart ankommen und ihre Möglichkeiten nutzen kann. 

PITT orientiert sich an einer dreiphasigen Behandlung: 

Stabilisierungsphase

In dieser Phase wird ein Gegengewicht zu dem Schweren (Traumamaterial), das die Klientin mitbringt, aufgebaut, um dann zwischen Beruhigung und Erregung bzw. Traumaverarbeitung pendeln zu können.

Luise Reddemann beschreibt diese Pendelbewegungen wie folgt:

„Pendelbewegungen sind Zeichen von Lebendigkeit. Wenn das Pendeln stillsteht, sich nichts mehr bewegt, ist das ein Zeichen für Erstarrung, ja Tod. Aus meiner Sicht geht es darum, die minimalen Pendelbewegungen, zu denen unsere PatientInnen trotz allem fähig sind, zu erkennen, die PatientInnen anzuregen und zu ermutigen, sie zu nutzen und zu fördern, damit sie sich schließlich größere und große Pendelausschläge erlauben können, wenn sie es wünschen. Das verstehe ich unter Stabilisierung.“ (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie – Das Manual, 9. Auflage, 2017, S. 145)

Zur Stabilisierungsphase gehören unter anderem:

  • Psychoedukation

Zur Psychoedukation gehören Informationen über Trauma, Traumacoping und Traumafolgen. Diese Informationen sollen der Klientin dabei helfen, ihre Verhaltensweisen besser zu verstehen und mit ihnen umzugehen sowie mehr Selbstmitgefühl zu entwickeln.

  • Äußere/innere Sicherheit und Stabilität im Alltag herstellen

Zu diesem Punkt zählen unter anderem Skills-Training, Reorientierungstechniken, der Aufbau stabiler Beziehungen bzw. der Umgang mit destruktiven Beziehungen usw.

  • Einstieg in die Arbeit mit Imaginationsübungen

Jeder Mensch verfügt über Vorstellungskraft. „Die Möglichkeit, dabei auch innere Bilder zu sehen, innere Filme, ist mehr oder weniger stark ausgeprägt und nicht Bedingung für die Arbeit mit »Imaginationen«.“ (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie – Das Manual, 9. Auflage, 2017, S. 149)

In dieser Phase können zunächst Imaginationen/Vorstellungen genutzt werden, die beruhigend und nährend sind und Gefühle von Geborgenheit, Sicherheit und Wohlfühlen hervorrufen.

  • Den inneren Beobachter kennenlernen

Diese Übung soll dabei helfen sich zu distanzieren. Dabei kann man sich die Fähigkeit des achtsamen Sich-beobachten-Könnens bewusst zu Nutze machen und trainieren.

  • Einstieg in die Arbeit mit verletzten Anteilen

Bei dieser Innenarbeit geht es besonders darum den verletzten Anteilen Trost, Mitgefühl und Fürsorge zukommen zu lassen. Auch hier kommt wieder die Imagination zum Einsatz, indem z.B. ein kindlicher Anteil, nachdem sein Schmerz durch die Erwachsene gewürdigt wurde, aus der belastenden Szene herausgenommen werden kann. Dieser kann dann an einen sicheren Ort gebracht werden, der mit dem Kind gemeinsam so gestaltet werden kann, dass es sich wohlfühlt. Zusätzlich können dem Kind hilfreiche Wesen an die Seite gestellt werden, damit es nicht allein ist.

Traumakonfrontationsphase

Wenn die Klientin die Voraussetzungen erfüllt, dass bei ihr äußere und innere Sicherheit besteht, sie sich selbst beruhigen und selbst trösten sowie belastende Gefühle aushalten kann, ohne zu dissoziieren, kann in kleinen Schritten so schonend wie möglich die Traumakonfrontation erfolgen.

Eine hilfreiche Orientierung für die Traumakonfrontation ist das BASK-Modell:

B(ehavior)     –           Verhalten

A(ffect)          –           Gefühle

S(ensation)    –           Körpererleben

K(ognition)    –           Gedanken

 

Dieses Modell zeigt, welche vier Bereiche einer traumatischen Erfahrung betrachtet werden sollten, damit diese integriert werden kann.

In der Traumakonfrontationsphase wird die zuvor eingeübte Beobachtertechnik zur Distanzierung genutzt, damit die Konfrontation so wenig belastend wie möglich sein kann. Nun können die fragmentierten Teile schlimmer Erfahrungen zusammengetragen werden.

„Durcharbeiten mittels der Beobachtertechnik meint, wahrnehmend und kleinschrittig sich bewusst werden, was in der Szene geschieht, was das jüngere Ich fühlend und mit dem Körper erlebt, welche Gedanken und Bilder ihm durch den Kopf gehen.“ (Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie – Das Manual, 9. Auflage, 2017, S. 221)

Neben der Beobachtertechnik kann auch die Bildschirmtechnik genutzt werden. Dabei können (nach dem Einüben mittels positiver Ereignisse) traumatische Erfahrungen auf einem imaginären Bildschirm mit Hilfe einer imaginierten Fernbedienung gesteuert und angeschaut werden. So können die Bilder z.B. größer oder kleiner, schneller oder langsamer, schwarz-weiß oder in Farbe, näher dran oder weiter weg angesehen werden. Auch so kann das traumatische Material Schritt für Schritt und mit möglichst wenig Belastung durchgearbeitet werden.

So kann die Erwachsene das Erlebte und den Schmerz ihrer jüngeren Anteile bezeugen und ihnen Mitgefühl und Trost zukommen lassen.

Auch während der Durcharbeitungsphase pendelt die Klientin immer wieder zur Stabilisierung, damit sie das traumatische Material gut halten, sich im Hier und Jetzt sicher fühlen und ihre Alltagsaufgaben weiterhin bewältigen kann.

Integrationsphase

Nach dem Beschäftigen mit dem traumatischen Material folgt in der Regel eine Phase des Trauerns, der Integration, des Erarbeitens von Konfliktbewältigungsmöglichkeiten und des Betrachtens von Selbstwert- und Selbstakzeptanzthemen sowie auch des Neubeginns.

„Neu beginnen bedeutet also Durcharbeiten, viele, viele kleinere und größere Schwierigkeiten des Alltags. Wahrnehmen, was gelingt, neue Lösungen erproben, erkennen, dass es »normal« ist, schmerzliche Gefühle zu haben und diese zuzulassen.“ (Imagination als heilsame Kraft, 20. Auflage, 2017, S. 190)

Quellen:

  • Reddemann, Luise (2017): Psychodynamisch Imaginative Traumatherapie – Das Manual. Stuttgart: Klett-Cotta (9. Auflage)
  • Reddemann, Luise (2017): Imaginationen als heilsame Kraft. Stuttgart: Klett-Cotta (20. Auflage)

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